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Catherine
von Kevin vom 08.02.12, 23:24 Uhr
Bei uns im Test

Deutsche Zocker sind es ja gewohnt: Trotz hoher Preise kommt man häufig später in den Genuss der VIdeospiele als alle anderen. Ganz besonders merkt man das bei „Catherine“, dem zumindest hierzulande neuen Titel von Atlus. Während die Japaner das Spiel schon vor einem Jahr in Empfang nehmen durften, ist es in Nordamerika immerhin seit Juli erhältlich. Trotzdem wartet so mancher deutsche Zocker sehnsüchtig auf den interessanten Genre-Mix. Ob sich das Warten gelohnt hat, zeigt unser Test.
Screenshots zu Catherine




 
Liebe: Himmel oder Hölle?

Den japanischen Hintergrund kann „Catherine“ schon ab der ersten Sekunde nicht verbergen. Das liegt unter anderem an der Mixtur aus Puzzle-Spiel und beinahe klassischer japanischer Dating-Simulation. Hierzulande ist so etwas ziemlich unbekannt, in Nippon hingegen schon seit vielen Jahren so eine Art Volkssport.
Doch zunächst ein paar Worte zur Story: Man übernimmt die Rolle von Vincent, einem Programmierer Anfang 30, dem seine Freundin (Katherine mit K) auf die Pelle rückt. Man müsse die Beziehung langsam mal offiziell machen, und überhaupt wär eine Hochzeit doch ein formidabler Plan. Doch wie man weiss, sind Männer ausserordentlich freiheitsliebend, weshalb sich der gute Vincent in die Ecke gedrängt fühlt und überdies in eine Sinnkrise verfällt.
Da kommt ihm in seiner Stammkneipe eine recht aparte junge Dame in die Quere. Wie das Schicksal so spielt, hört diese auf den Namen Catherine (mit C) und scheint die Leichtigkeit, die seine Freundin vermissen lässt, praktisch zu versprühen. Kein Wunder, dass er die Perle klar macht (oder sich klarmachen lässt - das ist ja immer so eine Sache) - und genau hier nimmt das Drama seinen Lauf.

Und spielerisch?

Wie eingangs bereits erwähnt, ist „Catherine“ eine Mixtur aus Puzzle und Dialogszenen. Dabei sind diese beiden Elemente streng getrennt: Über Tage verbringt man seine Zeit in der Stammkneipe, um sich mit seinen Freunden über die Situation zu unterhalten und über Elemente wie „SMS schreiben“ den weiteren Verlauf der Story zu beeinflussen. Nachts hingegen schaltet das Spiel in den Puzzle-Modus, der in Form von Alptraum-Szenen stattfinded. Aufgabe ist es hier, einen Turm, der aus Kisten besteht, hochzuklettern. Was sich zunächst ausserordentlich simpel anhört, wird durch das Regelwerk (und einen leibhaftigen japanischen Schwierigkeitsgrad) stark erschwert. Um den Weg nach oben zu ebnen, gilt es die Kisten wie Schubladen hervorzuziehen, man kann sie auch von rechts nach links und umgekehrt verschieben - das war es aber auch schon, was einem an Interaktion mit der Umwelt bleibt. Natürlich muss man sich dabei sputen, denn nach und nach fällt der Turm in sich zusammen. Zunächst ist das noch eine einigermassen überschaubare Aufgabe, aber schon nach kurzer Zeit kommt man nur dann weiter, wenn man sich einen echten Plan zurechtlegt. Diesbezüglich bekommt man trotz simplem Spielprinzip nichts geschenkt bei „Catherine“. Hat man es dann ganz nach oben geschafft, geht das bizarre Erlebnis weiter: Dort erwarten den Spieler Tiergestalten, die einem mehr oder weniger interessante Dinge erzählen können - und dann geht es per Raketenbeichtstuhl (Wer hätte jemals gedacht, einen solch obskuren Begriff lesen zu dürfen?) ab in die nächste Stufe. Wie man sieht: Konventionell ist etwas ganz anderes.

Und nächtlich grüsst das Murmeltier

Natürlich will man es schaffen, den Turm zu bezwingen - schliesslich wartet zum Ende der Nacht und zum Anfang des neuen Tages ja wieder die eigentliche Handlung auf den Spieler. Und die ist - zumindest wenn man ein gewisses Faible für diese entsprechende kulturelle Richtung hat - durchaus interessant. Das Ganze hat so einen Touch von „Verhängnisvolle Affäre“, aber man hat selbst die Zügel in der Hand und kann den Ausgang steuern.
In der Stammkneipe hat man diverse Möglichkeiten, die Zeit zu verbringen. Neben ordentlichem Alkoholkonsum in verschiedenster Form gibt es auch einen Spielautomaten, der als eine Art „Trainingsgerät“ für die nächtlichen Alpträume zu verstehen ist. Wer aber eigentlich nur wegen der nokturnen Puzzle-Einlagen spielt, darf vielen Dialogen und Einflussmöglichkeiten einfach aus dem Weg gehen. Davon ist aber abzuraten, denn die wirkliche Stärke liegt eben in den Dialogen und der Fortführung der Geschichte.

Die Schokoladenseite

Eines sollte man sich direkt vor Augen halten: Wer so überhaupt kein Verständnis für die japanische Manga- und Anime-Kultur (und -Optik!) hat, wird es mit „Catherine" nicht leicht haben. Während sich der eine über die Glubschäugigen japanischen Charaktere wundert, ist der andere davon mehr als nur entzückt. Handwerklich wie technisch gibt es allerdings in Sachen Optik während der Dialogphasen eigentlich nichts auszusetzen. Die Puzzle-Sequenzen hätten möglicherweise mehr technischen Aufwand vertragen können, da man aber ohnehin unter schwerer Hektik leidet, wird das wohl nicht allzu stark ins Gewicht fallen.
Besondere Aufmerksamkeit muss man allerdings der Beschallung zuteil werden lassen - schliesslich handelt es sich hauptsächlich um ein dialogbasiertes Spiel. Eine der ursprünglichen Überlegungen bezüglich der Verzögerung des deutschen Release war ja, dass eine Synchronisation vergleichsweise aufwendig ist. Der Vertrieb hat hier aber leider nur sehr halbherzig gearbeitet: Nach wie vor liegt die Sprachausgabe nur in englischer Sprache vor und der Spieler muss mit deutschen Untertiteln vorlieb nehmen. Diese sind aber leider von extrem durchwachsener Qualität. Wer also mit der englischen Sprache auf Kriegsfuss steht, sollte bessere keine hohen Ansprüche an die Untertitel stellen - Enttäuschungen sind vorprogrammiert.

Eine wilde Mischung

Was man „Catherine“ auf jeden Fall bestätigen muss, ist eine erfrischende Andersartigkeit. Ausser den Japanern würde wohl niemand auf die Idee kommen, ein Puzzle-Spiel derartig auszustaffieren. Das hat auch durchaus seine Vorteile: Mehrfaches Durchspielen lohnt sich, da es mehrere Endsituationen und auch sonst so einiges zu entdecken gibt. Überdies gibt es einen „Babel-Modus“, der sich auf die Turmkraxelei konzentriert und auch zu zweit gespielt werden kann (was gerade gegeneinander extrem unterhaltsam und kompetitiv sein kann) - insofern bekommt man trotz einfacher Spielidee genügend Umfang für sein Geld geboten.
Allerdings muss man sich auch darüber im Klaren sein, dass „Catherine“ auf keinen Fall ein Spiel für jedermann darstellt. Es ist und bleibt einfach ein Exot, was natürlich hauptsächlich an den japanischen Wurzeln liegt. Da es aber heutzutage sehr viele Fans der japanischen Kultur in unseren Breitengraden gibt, wird „Catherine“ auch in Deutschland seine Zielgruppe finden.



Fazit zu Catherine
„Catherine“ wandelt auf wenig ausgetretenen Pfaden - eine für westliche Geschmäcker recht verrückte Mixtur aus Dialog-Adventure und Puzzle-Plattformer hofft auf eine verständnisvolle Zielgruppe. Wer sich darauf einlassen kann, wird mit einer wilden Story belohnt, die immer wieder von teilweise extrem schweren Puzzle-Einlagen unterbrochen wird. So seltsam das Ganze anmutet - es funktioniert als Einheit ziemlich gut. Was allerdings definitiv bemängelt werden muss: Da man in Deutschland schon ein halbes Jahr Verspätung gegenüber der US-Version in Kauf nehmen muss, wäre eine deutsche Synchronisation ja wohl durchaus im Rahmen des Möglichen gewesen. Stattdessen gibt es lediglich äusserst durchwachsene Untertitel auf deutsch. Englischkenntnisse sind deshalb mehr als ratsam - wer damit aber klar kommt und auch kein Problem mit den japanischen Wurzeln hat, wird mit einem ausserordentlich ungewöhnlichen Spiel belohnt.
 
Catherine

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  Erschienen: 10.02.2012
  Hersteller: Deep Silver
  Entwickler: Atlus
  System: Xbox 360
  Spieler: 2
  Genre: Puzzle
  USK: USK 16
  Sprache: Englisch
  Texte: Deutsch
  Onlinefähig: Ja
  Webseite: catherinethe...
  Preis: 49,95 €
 
Bewertungen

 

  Grafik:
81 %
  Sound:
73 %
  Gameplay:
82 %
  Umfang:
88 %
  Multiplayer:
78 %
  Gesamt: 80 %
 Userwertung: 
 
+
+ man hat aktiv Einfluss auf die Story
+ einfache, aber zugleich komplexe Puzzle-Elemente
+ atmosphärisch recht dicht
+ Multiplayer-Modus vergleichsweise gut
+ abgefahrenes Konzept...
-
- ...das garantiert nicht jedem liegt
- nur englische Sprachausgabe mit schlechten deutschen Untertiteln
- teilweise EXTREM schwer
 
Screenshots zu Catherine






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Kommentare zu Catherine
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