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Epic Mickey 2: Die Macht der Zwei
von Manuel S. vom 22.11.12, 21:55 Uhr
Doppelter Spielspaß?!

Als eines Tages das interessante Experiment "Epic Mickey" erschienen ist, war man noch froher Dinge. Mickey Mouse angekommen in der aktuellen Generation der Konsolen, allerdings nur Wii-exklusiv, war zwar nicht die erwartete Offenbarung gegenüber der Spieler und des Disney-Universums, aber immerhin bekam man ein stabiles Fundament, mit dem bis heute noch einige sehr viel anfangen zu wissen. So geschätzt der Vorgänger, so freudig die Erwartungen an den Nachfolger "Epic Mickey 2: Die Macht der Zwei". Allerdings darf man die Erwartungen zurück schrauben, und sich mit einem etwas schwächeren Jump and Run Titel anfreunden, sofern man das überhaupt will. Wer wissen will warum, der muss einfach nur weiterlesen.
Screenshots zu Epic Mickey 2: Die Macht der Zwei




 
Das große D: Disney!

Disney ist mächtig, Disney ist groß, und mit Sicherheit nicht arbeitslos. Das zeigte das Entertainment die letzten Monate mit Bravour. Erst übernahm man den deutschen Sender "Das Vierte" samt allen Angestellten und dem Programm, und kurz darauf dann die Übernahme des Jahrtausends: Disney kauft LucasArts. Der Schrecken war groß, und auch die Antworten der beiden Fangemeinden, gerade in Sachen Star Wars, ließen nicht lange auf sich warten. Ob Mickey Mouse denn nun wirklich Luke´s Vater ist, muss sich dann in neuen Filmen zeigen.

Wir widmen uns jetzt erst mal etwas ganz eigenem von Disney, so gesehen der Grundstein, mit dem seiner Zeit alles ins Rollen gekommen ist. Mickey Mouse prägt nicht nur heute die Kinder, und deren Eltern, sondern sind es inzwischen mindestens 4 Generationen, denen die quirlige Maus etwas sagt. Nicht ohne Grund setzt Disney, seit es kommerzielle Videospielproduktionen gibt, sehr viel auf seine Zugmaus, und will natürlich auch weiterhin mit dem sympathischen Kerlchen punkten. Mit Mickey Epic 2 könnte das durchaus klappen. Eine große Spielwelt, reichlich zu tun, ein farbenfroher Pinsel und Hase Oswald, der Mickey begleiten und hilfreich zur Seite stehen wird, und auch dem Spiel seinen Namen gibt: Die Macht der 2.
Auf dem Papier sieht sehr oft alles richtig gut aus, und liest sich auch wunderbar. Bis das ganze dann aber laufen lernt, und auch vernünftig zu spielen ist, vergeht reichlich Zeit, in denen hier und da auch mal etwas liegen bleibt. Entwickler Junction Point zeigt sich erneut zuständig für den zweiten Epic Mickey Ableger, und verdeutlicht, dass 2 Hauptcharaktere das Spiel nicht automatisch doppelt so gut machen.


Die Macht der Zwei!

Epic Mickey 2 ist ein Co-op basierter Multiplattformer, der dieses Mal auch für Xbox 360 und Playstation 3 erschienen ist. Mit dem Titel möchte man da weiter machen, wo der Vorgänger aufgehört hat, und im gleichen Atemzug will man alle Fehler von damals nicht nochmal machen, und 2 Jahre später mit 2 Helden ein 2x so gutes Spiel zaubern.

Zaubern kann aber erst mal nur Mickey selbst. Ausgestattet mit seinem bekannten und bewährten Pinsel begibt er sich in ein neues Abenteuer. Seine Aufgabe wird es sein, Oswald´s Welt vor dem zwielichtigen Mad Doctor zu befreien, der zwar Oswald aber nicht Mickey davon überzeugen kann, dass er sich seit seinem ersten Auftritt zum Guten gewandelt hat. Ein angebliches Erdbeben bringt zu Spielbeginn alles ins Wanken, das Abenteuer beginnt also sehr chaotisch und auch etwas unvorteilhaft für Oswald, der kurzerhand mit dem Doctor Freundschaft schließt. Mickey erfährt über Umwege von dem Schicksalsschlag, und macht sich ohne lang zu überlegen auf den Weg. Diese zeit nutzt Junction Point, um Neueinsteigern wie alten Hasen auch die Steuerung näher zu bringen, die sehr simple und vor allem auch kindgerecht gehalten ist. Das heißt jetzt aber nicht, dass Mickey Epic 2 nur etwas für unsere heranwachsenden Kleinen ist, mit dem Spiel wird absolut jeder befriedigt, der etwas mit Mickey Mouse anfangen kann. Aber das Zielpublikum sitzt ganz klar in den Schuljahren 1 bis 4.


Und so soll es beginnen!

Nachdem man den Umgang mit dem Pinsel gelernt hat, der übrigens mit dem rechten Stick gesteuert wird, bekommt man für den Anfang leichte Aufgaben, um sich etwas mit dem Gerät anzufreunden. Zum bunten Bemalen von allen möglichen Dingen und Gegenständen gesellt sich daneben noch die zweite Fähigkeit von Mickey dazu, das Löschen von Farben. Dahinter versteckt sich im Detail eigentlich genau die entgegengesetzte Technik des bunten Ausfüllens mittels farbiger Tinte, nur das es jetzt Verdünner ist, die versprüht wird. Mickey entzieht per Tastendruck der Umgebung sämtliche Farben, macht sie unsichtbar, und kann so Verstecke auftun, aber auch neue Wege, um im Spielablauf weiter zu kommen. Ebenso gibt es Gegner, die Mickey einer ähnlichen Behandlung unterzieht. Entweder reagieren diese auf die Farbe, oder sie müssen erst gebleicht werden, um dann farbig ausgefüllt zu werden. Danach ist alles Friede, Freude, Eierkuchen und Gegner sind unseren 2 Helden gegenüber freudig gestimmt.

Aber nicht nur Mickey hat seine eigenen Techniken. Nicht umsonst ist "Die Macht der Zwei" ein Co-op basierter Titel, den man eigentlich auch zu 2. spielen sollte. Der eine Spieler nimmt sich der Maus an, der andere dem Hasen Oswald. Kombiniert man die Techniken beider Figuren, kommt man auch aus aussichtslosen Situationen wieder frei, und kann wunderbar zusammenarbeiten, um das zu erreichen. Alleine verhält sich das leider anders. Oswald hat zwar auch seine Techniken zur Verfügung, führt diese aber in den meisten Fällen völlig selbständig durch die KI gesteuert aus. Das ist schade, aber leider nicht anders machbar, da gerade beim Teamwork beide Charaktere gesteuert werden müssen.
Mickey ist dabei der farbenfrohe Farbkleckser, und Oswald der sportliche Athlet. Er springt, fliegt mit seinen Ohren oder deaktiviert umfangreiche Maschinen, um den weiteren Weg frei zu machen. Mickey also quasi der freischaffende Künstler, und Oswald der Ingenieur.

Umgeben von einer skurrilen Spielwelt trifft man immer wieder auf altbekannte Vertreter aus dem Disney-Universum, die aber nicht echt sondern aus Roboterteilen zusammengeschustert worden sind. Es sind die halbkybernetischen Brüder und Schwestern der Originale, und verleihen der gesamten Welt nicht nur das einmalige Setting, sondern vertiefen das anfangs mittelmäßige Disney-Feeling noch weiter. Gepaart mit den teilweise recycleten Schauplätzen aus Teil 1, die mitunter immer wieder als billige Filmkulissen auffliegen, ergibt sich ein abgedrehtes Setting, das es so sicherlich kein zweites Mal gibt.


Im Ansatz richtig gut, aber...

Das Spiel selbst lässt mich in dieser bunten Welt oft selbst walten und handeln, und schon zu Beginn werde ich vor die Entscheidung gesellt, ob ich lieber als Maler oder Löscher meine Reise antreten möchte. Diese noch einfache Entscheidung wird uns später immer wieder gestellt, aber mit deutlich größeren Konsequenzen, zumindest was man so gesagt bekommt. Denn einmal entschieden passiert dann zwar was, aber was man damit wirklich bewirkt hat, und wozu es vor allem gut oder auch schlecht war, verschwindet irgendwo im Nirgendwo. Vielleicht war es aber auch Absicht, dass man nicht unnötig viel Gewicht auf die Entscheidungen legt, um so den Spieltrieb nicht abzubremsen.

Das wäre aber auch nicht nötig gewesen, da genau diese Dinge vom Spiel selbst immer wieder vorbildlich geschafft werden. Nach kurzer Action folgen immer wieder lange Laufwege, kurze Puzzle- oder Rätseleinlagen, und der erfolgreiche Fortschritt auf der To-Do Liste. Es ist an sich wirklich alles gut gelöst und auch wunderbar locker zu erledigen ohne dabei zu leicht zu wirken, aber nach den erfolgreichen Ansätzen fehlt die so wertvolle Vertiefung des Ganzen. Die Laufwege sind ja in Ordnung, könnten aber detailreicher gestaltet und vor allem nicht so unglaublich langweilig sein. Die Rätsel wiederholen sich in unregelmäßiger Reihenfolge, und wenn nicht das, dann wird man von Oswald noch unnötig mit den ewig selben Kommentaren genervt. Nach dem zehnten "Wir müssen den Strom überbrücken" bekommt man langsam einen dicken Hals, und wenn man dann als Alleinspieler nicht mal zu sehen bekommt, was Oswald genau macht, sondern der sein zeug irgendwie erledigt, liegt irgendwo fast der Hund im Keller.

Man bekommt schnell den Eindruck, dass gerade auf sehr wichtige Details zu wenig Augenmerk gelegt worden ist. Im auch nicht grandiosen Vorgänger war aber alleine die Geschichte die erzählt wurde deutlich besser. Klar, es war eine Liebesgeschichte, aber wie Sie erzählt wurde, und wie man Sie nachspielen konnte, das war schon etwas besonderes.
In Mickey Epic 2 beschränkt man sich aber eher darauf, dass man bis zum Spielende das böse verfolgt. Der Weg dorthin ist dagegen wieder einmal klasse gemacht worden, wenn eben auch oben genannte Banalitäten ab und an auch ein paar Gähner auf das Gesicht des Spielers zaubern.


Trotzdem überzeugend!

Meistens folgt dann aber wieder ein neuer Abschnitt mit frischen Herausforderungen, oder eines der vielen, tollen Videos, die zwischen den einzelnen Leveln und Aufgaben ablaufen. Die Videos sind Zeichentrick-Clips, die schon fast richtig schön alt wirken, als hätte Walt selbst noch die Figuren gezeichnet. Mit ebensoviel Herzblut hat man sich den "Musicaleinlagen" gewidmet, wenn man das so nennen darf. Die Cartoon-Clips tauchen öfter im Spielverlauf auf, aber die Gesangseinlagen von Bösewicht Mad sind eine ganz andere Kategorie. Wie aus großen Disney Kinofilmen entsprungen trällert der hier seine Texte runter und versprüht richtig viel Phantasie und vor allem Begeisterung vor der heimischen Konsole. Davon ab kann der Mad Doctor aber auch nur singen, normale Unterhaltungen mit ihm gibt es nicht, und so muss jeder der sich mit Ohm unterhalten will, ebenfalls das Singen beginnen. Ulkige Situationen sind so vorprogrammiert, und diese willkommen Unterbrechungen sind neben Ihrer Qualität vor allem sehr überzeugen eingespielt worden.

Dazu braucht man natürlich auf der einen Seite gute Redner/Sänger und auf der anderen Seite die passenden Zeichner und Designer. In Sachen Design weiß Warren Spector sicherlich genau, wem er da welche Aufgaben anvertraut. bei der Synchro hatte er aber ebenso das perfekte Händchen, und zeigt wie toll Spiele synchronisiert werden können. klar ist es "nur" ein Mickey Maus Spiel, aber was man alleine durch das tolle, bunte Design und die erstklassige Sprecherbelegung daraus gemacht hat, zeigt wie wichtig bei jedem Spiel diese Punkte sind.
Die tolle Optik führt sich durch das ganze Spiel, und man kommt sich fast vor, als wäre man in einem virtuellen Disneyland gefangen, alles strahlt und sticht hervor, und sieht einfach genau so aus, wie man sich das vorstellt und auch erwartet. Man merkt quasi mit jedem Schritt die Liebe die man in das Spiel gepackt hat, was sicherlich auch den Charakteren zu verdanken ist. Alles wirkt authentisch und so wie es sein soll, und das trotz deutlicher Mängel beim Spielablauf.


Oberflächlichkeiten!

Zum Schluss muss allerdings noch eine weitere Kritik ausgepackt werden. Während des Spielverlaufs findet man hier und da immer wieder neue Embleme, Statuen und andere Sammeldinge, die man bei einem Händler gegen brauchbare Dinge eintauschen kann. Das ist ja soweit auch in Ordnung, nur wird es dann etwas merkwürdig, wenn man für Bewohner XY vom Wasteland irgendetwas besorgen muss wie z.B. eine funktionierende Sicherung. Die findet man, bringt sie zu Bewohner XY und alles ist gut. Aber es wird zu wenig beleuchtet, was der damit will oder wofür er sie brauch. Auch erfährt man über den Aufraggeber viel zu wenig , was dem Spiel unnötig viel an Spieltiefe nimmt. Die Story mag nicht die tiefgründigste sein, aber wie sich Ihre Geschichte erzählt, und uns auf weiteren Weg begleitet ist auf jeden Fall schön gelöst worden. Aber da es eh schon nicht allzu viel Gründe gibt, in die Spielwelt abtauchen zu können, wird man von diesen Oberflächlichkeiten noch weiter heraus gerissen, was wirklich jammerschade ist.
Fazit zu Epic Mickey 2: Die Macht der Zwei
Disney hat vor allem alles daran gesetzt, die Geschichte aus dem Vorgänger bei Mickey Epic 2 weiterzuführen. Dafür hat man allerdings in Kauf genommen, dass man damit unnötig viel an Potenzial verschenken wird. Ob das so klar war, weis man nicht, aber man spürt quasi das ganze Spiel hindurch, dass es wunderbare und wirklich tolle Ansätze gibt, die dann aber, weil man an den Vorgänger anknüpfen will, wieder schlagartig an Faszination verlieren. Es wurde in vielen Punkten einfach nicht bis zum Ende gedacht, und so bleibt in vielen Fällen eine Ansammlung von vielversprechenden Ansätzen die zum Ende misslingen. Daneben wirken die Sammelaktivitäten sehr aufgesetzt, und Zweitcharakter Oswald sehr undurchschaubar, da man nie wirklich weis, was dieser gerade macht oder vorhat. Da ist von großem Vorteil, wenn man sich Mickey Epic 2 auch wirklich zu zweit zu Gemüte führt, und was scheinbar auch der Grundgedanke von Entwickler Junction Point dahinter war. Erst dann zeigt Oswald seine Liebenswürdigkeit in vollem Umfang. Ab von den Dingen die man falsch gemacht oder falsch umgesetzt hat, erwartet den Spieler aber ein toll designtes Stück Videospiel, dass vor allem von seinen authentischen Charakteren und der einzigartigen Spielwelt lebt. Die merkwürdigen aber witzigen Einwohner von Wasteland sind die indirekte Krönung. Daneben überzeugt vor allem die offene Spielwelt, das was man mit Farbe oder Verdünner aus Ihr machen kann und die erstklassige Synchro samt Soundtrack. Etwas mehr Gewicht auf diese Richtung, dann hätte es richtig gut werden können. Dennoch ist Spielspaß für viele Stunden garantiert. Fans können sowieso bedenkenlos zugreifen.
 
Epic Mickey 2: Die Macht der Zwei

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  Erschienen: Released
  Hersteller: Disney Interactive
  Entwickler: Junction Point
  System: Xbox 360
  Spieler: 2
  Genre: Jump&Run
  USK: USK 6
  Sprache: Deutsch
  Texte: Deutsch
  Onlinefähig: Nein
  Webseite: disney.de
  Preis: 57,00 €
 
Bewertungen

 

  Grafik:
82 %
  Sound:
84 %
  Gameplay:
73 %
  Umfang:
81 %
  Multiplayer:
0 %
  Gesamt: 80 %
 Userwertung: 
 
+
- Authentische, sympathische Helden
- Authentische, aberwitzige Einwohner
- Gelungene Grundideen
- Erstklassige Sprecher und toller Soundtrack
- Offene Spielwelt
- Farbe und Verdünner als wichtigstes Mittel im Spiel
-
- Viele Ideen nicht richtig zu Ende gedacht
- Oswald oft sehr undurchschaubar
- Aufgesetzte Sammelaufgaben
- Vereinzelte, recyclete Schauplätze
- Sehr viel verschenktes Potenzial
 
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